Vom Zuschauer beim Ironman 70.3 in Duisburg zum Hawaii-Starter

Die Koffer sind gepackt. Auch das Rennrad hat Thomas Landgraf verstaut. Am Mittwoch beginnt die große Reise. Von Düsseldorf fliegt der 55-Jährige aus der SPORTSTADT DUISBURG mit Zwischenstopp in San Francisco nach Hawaii. Auf der Hauptinsel befindet sich Kailua-Kona, ein Sehnsuchtsort für Ausdauersportler. Landgraf startet dort in seiner Altersklasse bei der Ironman-Weltmeisterschaft.

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und anschließend noch ein Marathon über 42,195 Kilometer liegen vor dem Duisburger. „Da mitzumachen, fühlt sich jetzt noch ziemlich surreal an“, sagt Landgraf kurz vor der Abreise.

Triathlon als Zuschauer in Duisburg erlebt

Seine Triathlon-Karriere ist noch relativ jung. Die Begeisterung packte ihn 2021 – als Zuschauer beim Ironman 70.3 in seiner Heimatstadt Duisburg. „Und dann habe ich beschlossen, selber mal an den Start zu gehen“, erzählt der Software-Entwickler.

Ein kleines Problem gab es allerdings: Landgraf konnte nicht vernünftig schwimmen. Radfahren war kein Problem, auch Marathons hatte er bereits absolviert. Doch im Wasser machte er keine gute Figur. „Es hat gerade mal dafür gereicht, dass ich nicht untergehe“, sagt er.

Wettbewerbe in Luxemburg und Nizza absolviert

Also nahm er sich einen Coach und begann zu trainieren. 2022 stand Landgraf in Duisburg erstmals selbst an der Startlinie. Danach folgten Wettbewerbe in Luxemburg und Nizza. „Ich bin im Mittelmeer geschwommen und über die Alpen gefahren – das waren tolle Erlebnisse“, erzählt Landgraf.

2025 wagte er sich erstmals auf die Langdistanz. Beim Ironman in Hamburg blieb die Uhr nach 10:51:52 Stunden stehen. „Das waren neun Stunden Spaß auf der Strecke, beim zweiten Halbmarathon habe ich mich aber quälen müssen“, sagt Landgraf und lacht.

Ein Jahr später war er noch schneller: 10:19:57 Stunden. Damit durfte er bei der anschließenden Slotvergabe in den Räumen der Handwerkskammer Hamburg auf einen Startplatz für Hawaii hoffen. In jeder Altersklasse gibt es nur wenige Tickets. Wer seinen Platz nicht annimmt, macht ihn für einen Nachrücker frei.

Nach der Namensnennung vor Freude explodiert

Landgraf stand auf Platz 81. Er rechnete sich keine großen Chancen aus. Dann wurde es plötzlich spannend. „Mein Kumpel hat mir auf die Schulter getippt und gesagt, dass jetzt nur noch zwei Leute verzichten müssen“, erzählt er. Kurz darauf verkündete der Moderator dann Landgrafs Namen. „Ich bin vor Freude explodiert“, erzählt der Duisburger.

Seitdem bereitet er sich gezielt auf Hawaii vor. Im Training ging es nicht nur um Ausdauer und Kraft, sondern auch um die Hitze. Landgraf setzte sich mit zehn Lagen Kleidung auf sein Indoor-Fahrrad im Keller und brachte sich ordentlich zum Schwitzen. „Ich bin danach kaum die Treppe hochgekommen“, erzählt der Triathlet.

Zum Schwimmen in den Pazifik springen

Nun rückt der große Tag näher. Landgraf wird zunächst mit seinem Kumpel Markus Ingendahl Hawaii erkunden. Aber er kann es kaum erwarten, am 10. Oktober in den Pazifik zu springen. Gleichzeitig weiß Landgraf, dass das Schwimmen wieder hart wird. „Ich muss in dem ganzen Trubel die Bojen und auch die anderen Starter im Blick haben“, sagt er.

Eine persönliche Bestzeit ist auf Hawaii nicht das Ziel. In einem Buch von Olympiasieger Jan Frodeno hat Landgraf gelesen, wie anspruchsvoll die Bedingungen sind: Wellen im Pazifik, das Profil der Strecke und vor allem die Hitze machen den Wettkampf besonders anspruchsvoll. „Ich möchte es ins Ziel schaffen“, sagt Landgraf. „Wenn meine Zeit am Ende zwischen elfeinhalb und zwölf Stunden liegt, ist das okay.“

In Deutschland bereitete sich Thomas Landgraf zuletzt auf seinen großen Tag vor. Foto: instagram.com/thomas.j.landgraf