Vor dem Ironman 70.3: Triathleten erzählen von ihrem Weg nach Duisburg
Am 16. August wird es in der SPORTSTADT DUISBURG wieder ernst: Der Ironman 70.3 kehrt zurück und bringt erneut Triathleten aus aller Welt in den Sportpark Duisburg. Schwimmen, Radfahren und Laufen – insgesamt 70,3 Meilen oder rund 113 Kilometer – warten auf die rund 3.000 Teilnehmer.
Der besondere Reiz des Rennens liegt dabei nicht allein in den sportlichen Leistungen. Für viele Teilnehmer ist der Start in Duisburg eine große Herausforderung – und manchmal auch das Ergebnis einer überraschenden Entscheidung. Vor dem Start erzählen Triathleten ihre ganz persönlichen Geschichten.
Nadine Schaefer-Medappe: „Mehr als nur ein Wettkampf“
Ich lebe inzwischen seit mehr als 20 Jahren in Australien. Deshalb ist es für mich etwas ganz Besonderes, beim Ironman 70.3 in Duisburg zu starten – und das gemeinsam mit meinem Mann Sid. Wir leben in Sydney und kommen jedes Jahr für einen Monat nach Deutschland, um meine Eltern zu besuchen. Dass wir unseren Aufenthalt inzwischen mit einem Triathlon in meiner Heimatstadt verbinden können, ist perfekt.

Nadine Schaefer-Medappa startet mit Mann Sid in ihrer Heimatstadt. Foto: privat
Zum Triathlon sind wir relativ spät gekommen. Vor dreieinhalb Jahren habe ich in Sydney zu Sid gesagt: „Ich glaube, wir sollten Triathlon ausprobieren.“ Wir sind beide vorher viel gelaufen und auch Rad gefahren. Da dachten wir: Wie schwer kann das schon sein? Die Antwort haben wir dann schnell bekommen.
Das Schwimmen war eine Herausforderung. Sid hat sogar erst mit 50 Jahren richtig Schwimmen gelernt. Er hatte natürlich schon im Wasser herumgeplanscht, aber richtiges Schwimmtraining war etwas völlig anderes. Unser erster Ironman 70.3 war 2023 in Sydney.
Ein YouTube-Video als Auslöser
Ich wusste lange nicht, dass es auch in Duisburg dieses Format gibt. Dann habe ich vor einigen Jahren zufällig ein YouTube-Video über Triathlon gesehen. Plötzlich war da Duisburg zu sehen. Da war für mich klar: Wenn das im nächsten Jahr wieder stattfindet, mache ich mit.
2025 war es dann so weit: Nach dem Start in der neuen Heimat, war ich in meiner alten Heimat unterwegs. Das Rennen hat meine Erwartungen sogar übertroffen. Die Atmosphäre war großartig, die Strecke ist schnell und relativ flach und die Regattabahn ist gerade für Einsteiger perfekt. Sie ist ruhig und überschaubar. Auch die vielen Zuschauer machen das Rennen zu etwas Besonderem.
Duisburg hat für mich außerdem einen ganz persönlichen Vorteil: Die Radstrecke führt nur etwa einen Kilometer an der Wohnung meiner Eltern vorbei. Sie stehen dort an der Strecke und feuern uns an. Ich sehe sie auf dem Hin- und Rückweg – das ist definitiv mein Lieblingspunkt des Rennens. Für mich ist Duisburg mehr als nur ein Wettkampf.
Und dann gibt es natürlich noch die Brücke der Solidarität. Im vergangenen Jahr bin ich dort zum ersten Mal tatsächlich mit dem Fahrrad gefahren. Das war besonders cool, weil ich die Strecke vorher auf meinem Indoor-Bike virtuell gefahren bin. Nun war ich wirklich dort.
Die Radzeit aus dem Vorjahr verbessern
Sid und ich sind inzwischen bei mehreren Triathlons gestartet. Wir machen den Sport aber nicht, um irgendwelche Rekorde aufzustellen. Priorität für uns ist immer, ins Ziel kommen und Spaß zu haben. Ich würde meine Radzeit aus dem vergangenen Jahr gerne ein kleines bisschen verbessern. Noch wichtiger ist aber, das Rennen zu genießen.
Nadine Schaefer-Medappa, 50, aus Duisburg, lebt in Sydney
Philippe Lavarde: „Ich kehre zurück zu meinen Wurzeln“
Ich komme ursprünglich aus dem Fußball. Als Kind habe ich bei Tura 88 gespielt. Später bin ich wie meine beiden Brüder in die Jugendabteilung des MSV Duisburg gewechselt. Wir waren sogar Balljungen im alten Wedau-Stadion. Sport war bei uns in der Familie also schon immer ein großes Thema.

Philippe Lavarde mit seiner Frau Alena beim Triathlon in Hamburg. Foto: privat
Irgendwann bin ich beruflich in den Norden gegangen. Heute lebe ich mit meiner Frau in Ostfriesland und pendle zwischen meinem Wohnort und Hamburg. Duisburg ist aber immer meine Heimat geblieben. Meine Eltern und Geschwister leben noch in der Stadt oder der Umgebung, viele Freunde ebenfalls.
Ironman vor der eigenen Haustür
Als ich mich dann nach einer passenden Mitteldistanz umgeschaut habe, hatte ich zunächst Rennen in Italien oder anderen Ländern im Kopf. Irgendwann habe ich festgestellt: Moment mal, der Ironman 70.3 findet ja auch in Duisburg statt! Das war mir vorher überhaupt nicht bewusst.
Ich kehre nun zu meinen Wurzeln zurück, denn den Sportpark Duisburg kenne ich schon seit meiner Kindheit. Wenn ich auf Heimatbesuch bin, gehe ich dort auch gerne laufen. Als ich mir die Strecke dann genauer angeschaut habe, war für mich klar: Das mache ich in Duisburg.
Der Ironman 70.3 in Duisburg gehört laut Umfragen zu den beliebtesten Rennen Europas. Und wenn man die Strecke sieht, kann ich das gut verstehen. Die neu gestaltete Regattabahn, die flache Radstrecke, die Fahrt über die Brücke der Solidarität – das ist schon etwas Besonderes. Man fährt teilweise durch Industriegebiete, ist kurz darauf aber wieder im Grünen und am Niederrhein.
Ruhrpott trifft auf Ostfriesland
Das Schönste ist: Ich komme nicht allein. Eine ganze Kohorte Ostfriesen reist mit nach Duisburg. Am Samstag möchte ich meinen Freunden zeigen, wo ich aufgewachsen bin. Meine Familie wird am Sonntag an der Strecke stehen. Vielleicht kommen noch alte Schulfreunde vorbei.
Damit das sportlich auch alles funktioniert, habe ich mir einen Coach gesucht. Oliver Munnes ist selbst Duisburger und startet ebenfalls beim Ironman 70.3. Er war sogar schon bei der Triathlon-Weltmeisterschaft in Nizza qualifiziert. Das passt für mich perfekt: Er sagt mir, was ich wann trainieren soll, und sorgt dafür, dass ich nicht wieder zu schnell zu viel mache.
Ich will am Sonntag vor allem Spaß haben und das Rennen genießen. Wenn am Ende eine Zeit unter sechs Stunden auf der Uhr steht, wäre das richtig cool. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf das Event.
Philippe Lavarde, 41, aus Wiesmoor
Thomas Schmitz: „Den Starkregenjoker habe ich kein einziges Mal gezogen“
Im vergangenen Jahr war ich in Duisburg noch als Zuschauer dabei, um meinen Sohn Frederik anzufeuern. Die ganze Familie hatte großen Spaß, ich war hinterher allerdings ziemlich nachdenklich. Warum? Weil ich beschlossen hatte: Das mache ich im nächsten Jahr selbst.

Thomas Schmitz feiert am Sonntag seine Premiere. Foto: privat
Als mein Sohn von meinen Plänen erfahren hat, war seine Begeisterung zunächst überschaubar. Er hat versucht, mir den Start auszureden. „Du hast doch schon ein gewisses Alter“, hat er gesagt. Und im Schwimmbad sei ich schließlich auch schon lange nicht mehr gewesen. Irgendwann hat er gemerkt, dass ich es ernst meine. Da hat er gesagt: „Okay, dann coache ich dich.“
Nicht die komplette Regattabahn austrinken
Ich war plötzlich regelmäßig im Schwimmbad und habe meinen Schwimmstil von „Windmühle“ auf vernünftiges Kraul umgestellt. Das war auch dringend nötig. Ich möchte beim Ironman schließlich nicht die komplette Regattabahn in Duisburg austrinken.
In der Vorbereitung war ich erstaunlich diszipliniert. Früher habe ich bei schlechtem Wetter schon mal eine Laufrunde abgesagt. Den sogenannten Starkregenjoker habe ich in den vergangenen zwölf Monaten kein einziges Mal gezogen.
Meine Fitness ist dadurch viel besser geworden, und ich habe gemerkt, dass ich mit dem Ausdauersport tatsächlich die passende Sportart für mich gefunden habe. Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zum Start, und ich freue mich riesig darauf, im wunderschönen Sportpark Duisburg unterwegs zu sein. Meinen Sohn werde ich wahrscheinlich nur am Start sehen. Er ist 30 Jahre jünger und deutlich fitter als ich.
Wenn die Zuschauer die Athleten nach vorne brüllen
Der Ironman 70.3 war für mich im vergangenen Jahr als Zuschauer schon ein wahnsinniges Erlebnis. So viele enthusiastische Menschen auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Jetzt werden die Zuschauer hoffentlich auch mich nach vorne brüllen. Das stelle ich mir großartig vor.
Mein Ziel lautet ganz klar: ankommen. Und dann steht auf jeden Fall eine Bestzeit. Es ist schließlich mein erster Ironman 70.3. Wenn ich die Ziellinie überquere, bin ich wahrscheinlich der glücklichste Mensch der Welt.
Thomas Schmitz, 58,5 Jahre aus Wuppertal
Die Radstrecke führt auch über die Brücke der Solidarität. Foto: Ilja Höpping / Stadt Duisburg